Auf Einladung des Dresdner Kunstprojektes „info_offspring“ setzt sich Czenki seit 2002 mit dem Dresdner Plattenbaugebiet Prohlis, seiner Geschichte und seinen BewohnerInnen auseinander. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Künstler Christoph Schäfer entwickelte sie 2006 die „Kartoffelshow“: In eine Standardgrünfläche zwischen den Wohnblocks wurden gemeinsam mit Kindern Kartoffeln gepflanzt. Die Nutzpflanzen sprossen nicht in zufälliger Ordnung aus dem Rasen, sondern bildeten die Form einer Rennbahn. Der so thematisierte Wettbewerbscharakter wurde unterstrichen durch Zuschauertribünen, die, am Rande der Rennbahn platziert, den Kartoffeln beim Wachsen zuschauten. Die Aktion gipfelte in der gemeinsamen Kartoffelernte und in der Zubereitung in einer öffentlichen Kochshow mit dem Chef des Dresdner Restaurants „La Rue“, Max Hofmann. Einerseits begreift das Projekt Alltagstätigkeit als kulturelle Handlung und stellt die Frage, ob man von einem Koch nicht mehr lernen kann, als von einem Pädagogen. Und ob es klug ist, Spaß und Genuß von Wissen zu trennen. Doch auf einer zweiten Ebene rührt die Kartoffelshow an beunruhigendere Punkte: Hat sich dieser emanzipatorische Anspruch unter den umgekehrten Vorzeichen einer Gesellschaft des Spektakels, als kapitalistische Konkurrenzkultur längst realisiert? Die Installation in der Ausstellung zeigt die Ambivalenz der partizipatorischer Projekte: Kinder agieren als Köche, ein Teil des Publikums lässt sich’s schmecken, ein Teil tut so, als sei es bezahltes Jubelvolk. So kommentiert die „Kartoffelshow“ selbstironisch, wie Alltagshandlungen Teil einer zweideutigen Bedeutungsproduktion werden: Köche die neuen Rockstars, Kochen als flexibles Unternehmertum und Ich-AG, Kinderkochshows als Training für den neoliberalen Markt.